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Von der Welle zur Wende: Wie die österreichische Grannys die Mode der Zukunft prägen

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In den letzten Jahren hat sich ein Phänomen in der österreichischen Modebranche etabliert, das weit über die Grenzen des Landes hinaus beachtungserregt: die Rückkehr der „Granny“. Nicht die klassischen Großmütter mit ihren grauen Strickpullovern, sondern eine neue Generation von Frauen, die mit ihren selbstbewussten, nachhaltigen und oft provokanten Looks die Modewelt auf den Kopf stellt. Diese Bewegung, die sich als „Granny Style“ oder „Retro-Feminismus“ bezeichnet, wird zunehmend zum Trendsetter – und zeigt, wie traditionelle Werte mit moderner Ästhetik verschmelzen. Die Grannys von heute sind keine Passivisten, sondern Aktivistinnen, die mit ihrer Kleidung Geschichte schreiben.

Ein zentraler Treiber dieser Bewegung ist die Nachhaltigkeit. Während die Modeindustrie weltweit unter Kritik steht, für die Umwelt und die Arbeiterrechte, setzen sich die österreichischen „Grannys“ für eine radikalere Form des Fast Fashion durch: Sie kaufen gebraucht, reparieren, upcyclen und leihen sich Kleidung. Ein Beispiel hierfür ist die Initiative https://www.spingranny1.at/, die seit 2018 ein Online-Forum für nachhaltige Mode und DIY-Projekte bietet. Über 30.000 Mitglieder haben dort bereits über 50.000 gebrauchte Kleidungsstücke getauscht oder verschenkt – ein Beweis, dass die Nachfrage nach Secondhand-Lösungen in Österreich enorm ist. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes wird in Österreich jährlich etwa 100.000 Tonnen Textilien entsorgt, von denen nur ein Bruchteil recycelt wird. Die „Grannys“ sind hier eine Gegenbewegung: Sie zeigen, dass Kleidung nicht weggeworfen, sondern weiterleben kann.

Doch der Granny Style ist mehr als nur ein nachhaltiger Trend – er ist ein Statement über Selbstbestimmung und Feminismus. Viele der Protagonistinnen dieser Bewegung sind ehemalige Mode-Ikonen oder Designerinnen, die sich von den strengen Regeln der Branche befreit fühlen. Eine der bekanntesten Namen ist die Wienerin Sabine Seidl, die mit ihrer Kollektion „Granny Chic“ zeigt, wie man mit schlichten, aber hochwertigen Materialien wie Wolle, Leinen und Baumwolle moderne Looks kreiert. Ihr Ansatz: „Kleidung sollte nicht nur schön aussehen, sondern auch eine Geschichte erzählen.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ablehnung von Fast Fashion: Viele der Grannys verzichten bewusst auf billige Massenware und setzen stattdessen auf handgefertigte Stücke oder Secondhand-Käufe. Dies spiegelt sich auch in den sozialen Medien wider, wo Plattformen wie Instagram und Pinterest voller Hashtags wie #GrannyStyle und #SlowFashion sind.

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Bewegung ist nicht zu unterschätzen. Laut einer Umfrage des Österreichischen Textilverbandes investieren rund 40 Prozent der österreichischen Haushalte mehr als 200 Euro pro Jahr in Secondhand-Kleidung. Das entspricht einem Marktvolumen von über 1,2 Milliarden Euro. Doch nicht nur die Konsumenten profitieren: Kleine lokale Läden und Upcycling-Projekte boomen. Ein Beispiel ist das Wiener Projekt „The Second Hand Store“, das seit 2019 gebrauchte Kleidung aus aller Welt anbietet und dabei lokale Handwerker unterstützt. Die Grannys zeigen damit, dass nachhaltige Mode nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Ein weiterer faszinierender Aspekt des Granny Styles ist seine globale Ausstrahlung. Während die Bewegung in Österreich noch jung ist, gibt es bereits internationale Vorbilder. In Deutschland hat die „Granny“-Bewegung durch Projekte wie „The Second Hand Store“ oder die Kollektion von Coco Rocha an Popularität gewonnen. Auch in den USA und Skandinavien finden sich ähnliche Trends, bei denen ältere Kleidungsstücke als Statussymbol für nachhaltigen Konsum gelten. Die österreichische Version ist jedoch besonders innovativ, weil sie traditionelle Werte mit moderner Ästhetik verbindet – ein Modell, das weltweit nachahmenswert ist.

Doch wie entsteht dieser Stil überhaupt? Viele der Grannys kombinieren alte Techniken mit neuen Ideen. Ein Klassiker ist das Upcycling: aus alten Jeans werden Blusen, aus alten Blusen werden Schals. Ein weiteres wichtiges Element ist das DIY-Prinzip. Viele der Protagonistinnen lernen selbst Nähen oder bemalen Kleidung, um ihre Stücke einzigartig zu gestalten. Ein Beispiel hierfür ist die Kollektion von Maria Bauer, die mit ihren „Granny-Reparatur“-Workshops zeigt, wie man Kleidung wiederbeleben kann. Ihr Motto: „Kleidung sollte nicht nur schön aussehen, sondern auch lange halten.“

  • Über 30.000 Mitglieder nutzen das Online-Forum „Spingranny1.at“ für den Austausch nachhaltiger Kleidung.
  • Rund 40 Prozent der österreichischen Haushalte kaufen mehr als 200 Euro pro Jahr in Secondhand-Läden ein.
  • Jährlich werden in Österreich etwa 100.000 Tonnen Textilien entsorgt, von denen nur ein Bruchteil recycelt wird.
  • Die Kollektion von Sabine Seidl zeigt, wie Wolle, Leinen und Baumwolle moderne, nachhaltige Looks erschaffen.
  • Projekte wie „The Second Hand Store“ unterstützen lokale Handwerker und stärken die lokale Wirtschaft.

Die „Grannys“ von heute sind keine Passivisten, sondern Aktivistinnen, die mit ihrer Kleidung Geschichte schreiben. Sie zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Trend, sondern eine Haltung ist. Während die Modeindustrie weiter auf Profit aus ist, setzen sie auf Qualität, Langlebigkeit und Gemeinschaft. Die Bewegung hat bereits gezeigt, dass sie eine neue Ära der Mode einläuten kann – eine Ära, in der Kleidung nicht nur ein Produkt, sondern ein Statement ist. Und wer weiß, vielleicht ist die nächste Generation der Mode-Ikonen schon in den Köpfen dieser Frauen geboren.

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